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Die Geschichte von Bornum geht weiter - Seite 4


Er sprang um den nächsten Vorsprung, ging in Angriffsposition und stand einem Vampir gegenüber. Dieser fauchte ihn an – ebenfalls in Angriffsposition. Sie verharrten, kurz davor dem jeweils anderen an die Kehle zugehen. Bornum entspannte sich als Erster, langsam und vorsichtig entspannte er seine Muskeln und richtete sich auf. Er schaffte es sogar, leicht zu lächeln.

„Hallo“ „Hi“ Sie schwiegen. Bornum fiel sofort auf, dass es ein nicht markierter Vampir war – ein Streuner. Oder doch ein Abtrünniger? Seine Sinne waren geschärft, jetzt machte sich das getrunkene Rattenblut bemerkbar – sein Geruchssinn schien gestärkt. War das möglich? Er wollte später darüber nachdenken. Fürs Erste musterte er den anderen Vampir neugierig. Dieser tat das Selbe mit ihm. Bornum trat einen leichten Schritt nach vorne und hielt dem Neuen seine Hand hin. Freundlicher Kontakt, um den anderen besser einschätzen zu können.

„Ich bin Bornum“ „Haito.“ Sein Händedruck hätte kräftiger sein können, doch vielleicht war er auch nur vorsichtig. „Was machst du hier unten?“ Haito grinste und zeigte seine ungepflegten Zähne. „Was macht ein Vampir tagsüber?“ Bornum grinste auch und ärgerte sich über seine blöde Frage. „Klar. Ich wusste nur nicht, dass hier unten auch welche sind.“ „In was für einer Welt lebst du?“ Bornum schaute ihn fragend an und Haito schüttelte resignierend den Kopf „ein Frischling, ich wusste es. Und noch dazu ein Höherer. Ey Mann, du weißt gar nicht was für ein Glück du hast!“

Bornum verstand nun gar nichts mehr – gab es etwa unter Vampiren auch verschiedene Schichten? Warum hatte sein Mentor ihm nichts davon erzählt? „Wie lange?“ „Was meinst du damit?“ „Wie lange bist du schon einer von uns?“ „Ach das meinst du. Fast 3 Monate“ „Was warst du vorher?“ „Anwalt und du?“ Haito zeigte wieder seine kaputten Zähne „zu lange. Pass auf, das wird dir dein Schöpfer nicht gesagt haben. Es gibt 3 Ebenen. Die Geborenen, als Vampir zur Welt gekommen wachsen sie bis zu einem Alter von 20 Jahren und leben fortan als Könige oder Königinnen. Sie sind das höchste, egal was sie sagen, verlangen oder tun. Sie haben immer recht. Vor allem haben sie am meisten Kraft. Dann gibt es die Gewandelten. Von einem Geborenen oder einem Gewandelten auserkoren zu einem Vampir zu werden. Sie behalten ihr Alter, was sie hatten, als man sie wandelte. Du wirst immer so alt sein wie jetzt. Jedenfalls äußerlich.“

Haito lehnte sich entspannt gegen die Wand, er genoss den Moment, kostete ihn aus. Dass man diesen Frischlingen auch nie das Nötigste mitteilte. „Zwischen den Gewandelten gibt es dann unterschiedliche Klassen. Du gehörst zu Oberklasse schätze ich. Wohnst in einem Haus und hast einen Lehrer, welcher sich um die kümmert. Dich mit Blut versorgt. Ich gehöre zur Unterklasse, zum Abschaum. Ihr jagt uns.“ Bornum wich einen Schritt zurück, erschrocken hielt sich er sich den Mund. „Wir jagen Euch?“ fragte er verwundert und schockiert. Wie konnte man seine eigene Rasse jagen? Sie waren doch Vampire wie er auch? Warum machte man da Unterschiede? „Ja, genau, jetzt bist zu baff. Sei froh, dass ich hier alleine bin und nicht meine Kumpels mit dabei habe. Wir hätten dich getötet!“

Bornum wich noch einen Schritt zurück „warum?“ „Das ist eine interessante Frage!“ Haito kam näher und grinste wieder breit. „Warum ermorden Menschen andere? Warum stehlen Menschen oder fügen anderen Leid zu?“ Bornum atmete ein und seine Augen weiteten sind. „Du meinst, es gibt gute und böse Vampire?“ „Bingo!“ Haito klatschte in die Hände und vollführte einen kleinen Tanz. „Gibt es auch böse Geborene?“ Haito verharrte in seiner Bewegung und rückte Bornum bedrängend auf die Haut.

„Pst! Sprich das nicht laut aus!“ Bornums Blut zirkulierte schneller – halt es war nicht sein Blut, es war das Blut von Ratten! Seine spitzen Eckzähne traten hervor und er fauchte Haito an. Dieser rückte mit erhobenen Händen zurück „schon gut, ich wollte dich nicht ärgern. Aber mit den Geborenen verhält es sich kompliziert. Sie habe nicht böse zu sein, das wird ihnen von Anfang an gelehrt. Von ihrer Mutter.“ Bornum nickte zustimmend „okay, soweit klar. Doch anscheinend gibt es auch welche, die nicht ausschließlich gut sind?“ Haito nickte grinsend „schon mal einen Vampir gesehen, der nicht böse ist? Du ahnst gar nicht, wie gefährlich, böse und brutal die Geborenen sein können.“ Bornum nickte „ich bin noch keinem begegnet. Mein Mentor redet aber viel über sie.“ Haito grinste immer noch „Miranda.“ Bornum nickte zustimmend.

„Aber wir waren ja bei den einzelnen Stufen. Du gehörst zu den Besseren, den Guten. Was natürlich nicht heißt, dass du immer dazu gehören wirst. Ein falsches Wort gegenüber einem Geborenen, eine falsche Tat. Aus Versehen einen Mensch getötet? Gewandelt oder nur ein bisschen dran geknabbert? Zack wirst du zum Bösen, richtig verurteilt von einem Gericht. Dein Mentor verstößt dich, deine Identität wird gelöscht du musst in den Untergrund und landest hier.“ Haito grinste wieder, zeigte erneut seine schlechten Zähne.

Bornum lief ein Schauer über den Rücken. Er war schockiert, was sich hier für Abgründe auftaten. Mit Schrecken dachte er an seinen kommenden Job. Sein Mentor hatte bisher nur erwähnt, dass er weiterhin in seinem Gebiet arbeiten würde. Bisher hatte er sich immer wieder gefragt, wozu die Vampire einen Anwalt benötigen! So viele Verträge könnten doch nicht zu schließen sein. Jetzt ahnte er, dass er auch für solche Fälle wie Haito zuständig sein würde. Dass er darüber zu entscheiden hätte, ob ein Vampir noch mal begnadigt wurde oder zum Abschaum verdammt wurde. Er schüttelte leicht den Kopf „ich verstehe das nicht.“

„Was verstehst du nicht?“ „Warum haltet ihr nicht zusammen? Warum bekämpft ihr euch gegenseitig? Warum diese Verdammung? Könntet ihr nicht einfach in eine andere Stadt geschickt werden oder das Land verlassen?“ Haito grinste wieder „du hast Vorstellungen! Ahnst du denn nicht, wie viele es von uns gibt und was für ein Potenzial in uns steckt? Dass einige nur daran denken, die Welt zu erobern und die Menschen auszurotten?“ Bornum zuckte erneut zusammen, das ganze war ihm nicht bewusst gewesen. „Wie viele gibt es?“ Haito schloss kurz die Augen, seine Lippen bewegten sich lautlos und mit Hilfe seiner Finger zählte er.

„Also als ich noch Zähler war – bevor man mich verbannte – waren es pro Großstadt eine Gruppe mit mindestens 40 Vampiren. In den kleineren Städten sind es kleinere Gruppen. Es waren über 100 Geborene, welche die einzelnen Gruppen unter sich hatten. Und das nur hier, die Zahlen der anderen Länder kenne ich nicht.“ Bornum öffnete seinen Mund und starrte Haito verblüfft an. Dieser wollte noch ein wenig mit seinem Wissen angeben „und wenn wir uns so weiter vermehrt haben, wie vor 5 Jahren, dürften sich die Zahlen verdoppelt haben. Und die Ausgesetzten im Untergrund sind da noch nicht mitgerechnet. Also, was hat man dir für eine Stelle angeboten? Was hast du noch mal vorher gemacht?“ Bornum lächelte, er war von den Zahlen noch so überrumpelt, dass er über seine Antwort nicht nachdachte. „Ich war Anwärter auf den nächsten Staatsanwalt und soll die Interessen von Miranda gegenüber den Menschen vertreten. Verträge aushandeln und so.“ Bornum biss sich leicht erschrocken auf die Zunge – er hätte das lieber nicht erzählen sollen.


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