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Es war ein unvergesslicher September


14. September 2008

20:41

Wie alles begann

Als ich gewandelt wurde, brach für mich eine bisher heile und gerechte Welt zusammen. Natürlich war ich mir des Unrechtes auf Erden durchaus bewusst, aber es hat mich nie gestört. War zu meinem Beruf geworden.
Doch heute widerfuhr mir - einem Anwalt - Unrecht. Heute wurde ich zu dem, was ich von nun an sein sollte.

Ein Vampir!

Klar, sie sagen jetzt bestimmt "Halt, Vampire gibt es nicht." Doch es gibt sie und das hier wird meine Geschichte. Ich ging nach einer Alkoholreichen Feier mit einem Mandanten durch eine dunkle Gasse und sah mich vor einem Scheusal stehen. Ich roch die Gefahr, unterdrückte das Zittern in meinen Knien und schaute ihm direkt in die Augen. "Ich kann dir helfen, Junge" er lachte nur und entblößte seine tadellos weißen Zähne mit seinen spitzen Eckzähnen. Ab diesem Punkt glaubte ich ihm alles und folgte ihm völlig willenlos. Ich lang seinem Bann


14. September 2008

20:42

Tag 1

So wachte ich auf und fand mich auf einem schmutzigen Laken wieder, wie war ich hergekommen? Warum hatte ich einen Verband am Hals? Wieso hörte ich auf einmal eine Ameise über den dreckigen Boden krabbeln? Ich zuckte zusammen und schrak hoch, sofort spürte ich einen heftigen Schmerz in meinem Kopf und stöhnte auf.
Ich realisierte noch, dass es schon Mittag sein müsste, hörte einen Krankenwagen heulen vorbeifahren - oder war er doch weiter weg? Dann sank ich in das schöne Reich des Schlafes und spürte nichts mehr.

Doch, mein letzter Gedanke war Durst, ein unstillbare Durst hatte mich befallen.


14. September 2008

17:26

Tag 2

Ich wachte auf, es war Nacht. Dunkelheit umfing mich und ich fühlte mich gut. So gut wie die letzten Tage nicht mehr. Mein Schädel brummte, als ich versuchte mich an die letzten Tage zu erinnern. Was war passiert? Was habe ich getan?
Die letzte Frage war schlimm und erzeugt ein Gefühl der Übelkeit in mir. Ich hatte Unrecht getan, ausgerechnet ich, der ehrbare und immer korrekte Anwalt! Mir ging es nie um ein hohes Honorar oder um sonstige Anerkennung - mir ging es immer nur um die Gerechtigkeit.

Ich setzte mich auf und blickte mich um, die Matratze und mir war weich, aber alt. Sie roch nach Blut, etwas in mir regte sich - Blut roch gut! Sofort versuchte ich diesen Gedanken zu verdrängen, ihn zu unterdrücken. Doch es gelang mir nicht, er war in mir, zu einem Teil von mir geworden. ich schüttelte mich, doch der Geruch nach frischen Blut drang weiter in meine Nase, ich roch, schnüffelte wie ein Hund und schloss meine Augen. Frisches Blut und ganz in meiner Nähe! Meine Nerven spannten sich, meine Muskeln sirrten und ich nahm meine Umgebung so deutlich wahr wie noch nie zuvor.

Als ich meine Augen öffnete und dem Blut nicht mehr widerstehen konnte, sprintete ich zu dem Tisch am anderen Ende der Halle - es dauerte nicht mal eine Sekunde bis ich dort war. Meine Zähne veränderten sich, die Eckzähne spitzen sich zu und als ich das Blut aus dem Glaskrug in meine brennende Kehle schüttete fühlte ich mich gut. Als könnte ich alles erreichen.

Jetzt geht der Rausch langsam wieder vorüber, mein Mentor kommt, ich spüre es. Wir haben eine mentale Verbindung zueinander. Er lässt mich immer rechtzeitig spüren, wenn er sich nähert. Vielleicht werde ich auch mal in der Lage sein so etwas zu machen. Ich habe das Gefühl noch viel lernen zu müssen und frage mich, ob ich jemals wieder als Anwalt in einem Gerichtssaal sitzen werden.

Mein Mentor ist da, er ist über irgendetwas verärgert.


14. September 2008

20:42

Tag 3

So ist das also als Vampir. Mein Mentor wird wohl nicht wieder kommen, jedenfalls war er gestern über irgendetwas sehr verärgert. Ich glaube fast, er hat den falschen gewandelt denn als er meine Visitenkarte sah, sank seine Laue noch weiter.
Ich konnte gar nicht so schnell begreifen, was er machte, da lag ich schon bäuchlings auf dem Boden und fühlte meine Arme hart auf dem Rücken zusammengedrückt. Ich glaube ich schrie auf, vor Schmerzen, doch fast im gleichen Augenblick wurde mein Kopf zu Boden gedrückt. Mein Mund landete auf dem harten Betonboden der großen Lagerhalle. Ich bekam den Staub in den Mund und meine Lunge schrie auf!
Etwas in mir regte sich, wollte gegen den scheinbar unbesiegbaren Gegen ankämpfen. Völlig unlogisch, kreischte mein Verstand, doch mein Körper sagte etwas anderes. Ich bäumte mich auf und schaffte es meine Gegner von mir herunter zu bekommen. Er war erstaunt und es dauerte nicht lange, bis ich einen Tritt von ihm in meiner Magenkuhle spürte. Schmerzhaft wurde die frisch angesammelte Luft aus meiner Lunge getrieben, ich keuchte. Was dann folgte war ein Desaster, welches ich nicht kontrollieren konnte. Eine unsagbare Kraft entlud sich bei mir, ich stürzte mich auf meinen Mentor und schlug wahllos zu, auch er tat das.
Sein Training war sein Vorteil und am Ende lag ich jammernd auf meiner Matratze, wie ein ausgestoßener Hund kam ich mir vor. Mein Körper kämpfte gegen die Verletzungen an. Überall, wo er das tag, juckte es tierisch. Ich wälzte mich hin und her, allein gelassen mit meinen Gedanken, Befürchtungen und Ängsten.


21. September 2008

14:16

Tag 4

Ich wachte auf und fühlte mich schlecht, ich brauchte Blut! dieses Gefühl war neu für mich und ich musste mich da erst dran gewöhnen.
ich blickte zu dem kleinen Tisch und stellte mit entsetzen fest, dass der Krug mit Blut nicht wieder aufgefüllt worden war. Also war mein Mentor nicht wieder gekommen. Ich war ihm wohl zu stark oder er hatte genug von mir, keine Ahnung. War mir auch egal, ich wollte Rache.
Das erste mal in meinem Leben war mit danach, etwas falsches zu machen, etwas verbotenes, ein Gesetz zu brechen. Ich brauchte unbedingt Blut! Tags zuvor war dieses Verlangen noch nicht so stark gewesen, doch heute, nachdem nun meine Wunden alle wieder geheilt sind und ich keine Schmerzen mehr verspüre.
ich musste jemanden töten! Der Gedanke schreckte mich selber ab und doch war es mein eigener. Mein Kopf, mein Verstand, wollte nicht begreifen, was da vor sich ging, doch mein Körper sprach eine eindeutige Sprache.
Ich werde jetzt von meiner dreckigen Matratze aufstehen und versuchen aus dieser Lagerhalle zu entkommen. Hoffentlich kann ich mich in soweit noch lenken, dass ich nicht gleich auf offener Straße den nächstbesten Menschen überfalle, sondern ihn bewusst auswählen kann.


22. September 2008

18:45

Tag 5

Oh das war gar nicht gut gestern - kaum war ich aus der Lagerhalle raus (das erst beste Fenster hat meiner Kraft gerade 3 Minuten standgehalten) schon hatte ich ein Opfer gewittert. Ja, gewittert. Sie könne sich gar nicht vorstellen, was das für eine Wonne war, frisches, noch warmes Blut zu trinken.
Jetzt wiederum bereue ich meine Tag und schwöre mir, so etwas nie wieder zu tun. Doch woher soll ich das Blut bekommen, was ich benötige um nicht zur wilden Bestie zu werden? Konnte ich auf meine alten Beziehungen zurückgreifen und einen Bekannten aus der Pathologie ansprechen?

Jetzt, wo ich gegessen habe, konnte ich wieder klarer denken und die Gewissensbisse quälten mich. Hatte mein Opfer Familie? Habe ich einen unschuldigen Menschen das Leben genommen oder war er wegen irgendeiner Sache schuldig? Würden ihn viele vermissen? Ich hoffte nicht, aber schwor mir, die nächsten Tage die Zeitung im Auge zu behalten.

Das mich das Sonnenlicht schmerzhaft an meine neue Daseinsform erinnerte ist ja wohl jedem logisch, doch ich hatte es ja unbedingt ausprobieren müssen. Jedenfalls ist es erstaunlich, wie schnell sich danach meine Haut wieder regeneriert. Natürlich gehen wir nicht sofort in Flammen auf, wenn uns auch nur der Hauch eines Sonnenstrahls triff, aber wir verbrennen uns doch schon ganz schön. Schätze mal, dass man mit viel Sonnencremen, Sonnenbrille, Mütze und Handschuhen schon eine knappe Stunden im direkte Sonnenlicht aushalten kann - aber keiner will das freiwillig. Wir leben in der Nacht.


23. September 2008

19:57

Tag 6

Heute kam mein Mentor wieder, er war besser drauf, faselte irgendwas von schlechtem Blut und so. Er hatte natürlich mitbekommen, dass ich selber auf Tour gewesen war, es schien ihn nicht zu stören. Aber ich war froh, dass er mir Blut brachte. Auf die Antwort auf meine Frage, woher er es bekam, blieb er mir schuldig. Wie so viele andere.
Nein, er gab mir mein Blut, sprach nicht viel und überließ mich dann mir selbst. Vorher verriegelte er das Fenster wieder und nachdem ich das Blut getrunken hatte, gestärkt war und mein Verlangen gestillt war, kettete er mich auch noch an! eine sehr gefährliche Kette, denn jedes mal, wenn ich jetzt aus dem mir zugestimmten Bereich heraus wollte, zog sich das Stachelhalsband zu krallte sich in meinen Hals.
Natürlich hatte ich es ausprobiert und mir dabei winzig kleine Einstiche zugezogen - sie brannten höllisch und heilte nicht so gut wie meine sonstigen Wunden. Warum? Ich schätze mein Mentor hat sie mit etwas beschmiert oder es sind Silberspitzen. Vampire sollen ja mit Silberkugelnd und so weiter getötet werden können. Traf das jetzt auch auf mich zu? Wenigstens kann ich hier noch etwas schreiben und mich so ein wenig ablenken - mir ist nämlich langweilig. Mir scheint, als wenn sich mein Schlafrhythmus so langsam umstellt und mir scheint, dass Vampire zu ihrer übermenschlichen Kraft auch noch mit weniger Schlaf auskommen.


25. September 2008

19:54

Tag 7

Heute war mein Mentor mit mir draußen, er war richtig gesprächig! Hat mit einer großen Gemeinschaft von Vampiren vorgestellt - ich konnte mir ihre Namen nicht alle merken. Doch es waren die eine oder anderen dabei, welche meinten, ich könnte ihnen mal behilflich sein. Immerhin war ich mal ein angesehener Anwalt gewesen. Apropos Anwalt - ich wette mit ihnen, dass sie sich noch nie selber auf der Titelseite der Lokalzeitung gesehen haben.
Jetzt wusste ich auch, warum mein Mentor mit einen langen schwarzen Mantel und ein jugendliches Baseballcape gegeben hatte. So sah ich meinem Brustportrait von meiner Bewerbung nicht mehr ganz so ähnlich. Familie hatte ich keine - außer meine Ex mit der schon vor 5 Jahren Schluss war. Meine Familie war die Kanzlei und die schien mich als vermisst gemeldet zu haben. Immerhin hatte ich einen wichtigen Termin vor Gericht nicht eingehalten und mein Handy war aus.
Wie gerne würde ich jetzt bei ihnen anrufen und sagen, dass alles gut ist. Mit meiner Sekretärin streiten oder mit der neuen Kollegin flirten. Ich seufzte leise - war denn wirklich alles gut? Schließlich war ich jetzt ein Vampir, ein Untoter, immer auf das Blut anderer Menschen angewiesen.
Mein Mentor wies mich dann an gewisse Vorkehrungen zu treffen, er gab mir meine Wohnungsschlüssel wieder - ein paar seiner Kollegen hatten sie schon geräumt und alles in Kisten gepackt. Jetzt musste ich nur noch meine Konten leeren, Bargeld war von nun an mein Zahlungsmittel.
Außerdem würde ich demnächst eine neue Identität bekommen - fragen sie nicht! Ich weiß, dass man nicht legal an eine neue Identität kommt, immerhin bin - war - ich mal Anwalt. So ändern sich die Zeiten und schon kann ich einige Verbrecher gut verstehen.