Startseite
Bornum
Gedichte
Geschichte
    Wie es begann 
    Seite 1 
    Seite 2 
    Seite 3 
    Seite 4 

Waffen
Unterkunft
Gästebuch
Kontakt zum Ritter
Links
Impressum


Die Geschichte von Bornum geht weiter - Seite 1


Einsamkeit, obwohl man umgeben ist von Leuten.

Hilflos wandert der Blick umher – die Sinne gespannt.

Ist ein Freund in der Nähe? Nein? Mist! Alles Unbekannte, Fremde, Lebende. Menschen.

Bornum ließ seinen Blick panisch durch die Menschenmenge gleiten, die U-Bahn. Sein Herz raste, seine Hände schmerzten und er stieß sie tief in seine Tasche. Natürlich schmerzte es dadurch noch mehr – sie waren verbrannt. Verbrannt von der Sonne. „Verflucht“ kam es fast lautlos über seine Lippen. Doch in dem Menschengedränge hörten es seine unmittelbaren Nachbarn und blickte ihn verwundert an. Innerlich ließ Bornum seine dunkle Seite die Macht übernehmen, biss diesem Sesselfurzer in den Hals und trank sein Blut. Doch äußerlich lächelte er nur mit geschlossenem Mund und zuckte leicht mit den Schultern. Natürlich hatte er wenige Sekunden später einen anderen Nachbarn. Eigentlich war so etwas in diesem Gedränge kaum möglich, doch wenn ein Mensch sein Gegenüber nicht mochte und Angst hatte, ging anscheinend alles.

Angst – was wussten diese sterblichen Menschen schon von Angst! Er kannte sie, lebte mit ihr und würde alle hier Anwesenden um Jahrhunderte überleben. Er hatte also noch viele, angstvolle Stunden vor sich.

Aber zu allererst musste er hier weg. Seine Nasenflügel zitterten, das Herz raste und er spürte, wie er die Menschen nicht mehr als Menschen wahrnahm, sondern als pulsierende Strukturen. Der vor ihm war schwach, trug eine Krankheit in sich. Rechts neben ihm jemand mit ziemlich vielen Fremdstoffen im Blut – Drogen? Alkohol? Medikamente? Er schüttelte sich leicht und ein Schauer lief über seinen Rücken. Wenn er hier nicht von den Leuten wegkam, würde es ein Blutbad geben. Er drängte sich zur Wand, zum Tunneleingang – dort würde er sicher sein. Vorausgesetzt, man sah nicht, wie er im Tunnel verschwand. Leicht gehetzt schaute er sich um.

Alles beim alten, die sterblichen Menschen warteten brav auf die nächste Bahn, schoben drängten, beachteten ihn nicht. Obwohl er nicht gerade klein und unauffällig gekleidet war. Sein schwarzer Mantel hätte ihn verraten müssen – immerhin war es Hochsommer und über 30 Grad im Schatten. Er hasste den Sommer! Diese kurzen Nächte, wenn man dann aufgehalten wurde, kam man nicht rechtzeitig heim – so wie heute. Er verfluchte sich im Stillen erneut und ließ sich dann leichtfüßig zu den Schienen hinunter gleiten. Sekunden später war er mit dem dunklen Tunnel verschmolzen und ließ die Menschen hinter sich.

Der Zug nahte und es hatte ihn keiner gesehen – sicher? Ein kleiner Junge zog an der Hand seiner Mutter, sie war genervt, tags zuvor hatte sie ihren Job verloren und ihre frische Liebe war gerade zerstört worden. „Was ist den Marten?“ „Da war ein Mann“, meinte Marten und zeigte auf den dunklen Tunnel. Leicht genervt rollte seine Mutter mit den Augen „hier sind überall Männer, ja? Komm einen Schritt zurück, der Zug kommt gleich“ Sie zog ihren Sohn zurück und ein eiskalter Schauer lief über ihren Rücken, als sie flüchtig in den dunklen Tunnel blickte. Sie schien zu ahnen, dass dort etwas Gefährliches lauerte, konnte es aber nicht einordnen.

Marten zog sie zurück zur Kante, er postierte seine kleinen Füße genau vor der weißen Linie und beugte sich nach vorne. Er blickte in den dunklen Tunnel, kniff seine Augen zusammen und starrte hinein. „Marten, bitte. Da war nichts.“ „Doch Mami, da war ein Mann und er ist in den Tunnel gegangen. Es war ein Vampir!“ Seine Mutter zuckte zusammen und zog Marten ruckartig zurück, sie kniete sich zu ihm nieder und schaute ihm fest in die Augen. „Es gibt keine Vampire! Und jetzt sei still.“ Marten sagte noch etwas – sie ahnte auch, was es war, doch es wurde vom Krach der ankommenden U-Bahn übertönt. Wenn ihr Sohn wüsste, dass es wohl Vampire gab und dass seine Mutter sie demnächst jage würde. Doch das war alles noch nicht Geschehen.

Bornum floh in den dunklen Tunnelschacht. Unter normalen Umständen kein Problem, mühelos könnte er vor der herannahenden Bahn fliehen. Doch heute waren es keine normalen Umstände. Er hätte schon längst zu Hause sein müssen, im Dunklen, weit weg von der gefährlichen Sonne. Dann noch der Junge mit seiner Mutter. Warum hatte er sich noch mal umgedreht? Er hatte die beiden gesehen und der Junge ihn, das hatte er ganz klar gespürt. Etwas war mit ihm, er war anders. Das müsste er seinem Mentor melden, unverzüglich.

Der Zug kam näher, erleuchtete den Tunnel und Bornum verschmolz mit der Wand. Zwischen zwei Pfosten gedrängt ließ er ihn vorbeiziehen. Und wie hätte es anders sein können? Der Junge saß genau auf der ihm zugewandten Seite. Es war ein Bruchteil von einer Sekunde, aber Bornum spürte den Blick von dem Jungen. Da er damit gerechnet hatte, hatte er sein Gehör darauf ausgerichtet, den gesprochenen Worten in dem Zug zu lauschen.


Seite 1